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Wie in so vielen anderen Gegenden ist auch im Schwarzwald die Tierhaltung auf dem Rückzug. Es sind meist wirtschaftliche Gründe, die dazu führen, die Viehhaltung aufzugeben, z.B. wenn aufgrund behördlicher Auflagen ein Stallumbau unumgänglich wäre, um einen klassischen Anbindestall zu einem zeitgemäßen Laufstall umzubauen. Oder wenn der politisch gewollte landwirtschaftliche Strukturwandel mit seinem „Wachsen oder Weichen“ aufgrund der beengten Hoflage keine Option darstellt. Hinzukommt oftmals die ungeklärte Hofnachfolge, die Betriebe ins Aus führt. Und auch die Rückkehr des Wolfes und die Sorge um die eigenen Weidetiere lässt die Entscheidung leichter fallen, sich von der Viehhaltung zu verabschieden.
Die Bedeutung der Viehhaltung im Schwarzwald
Jedoch ist die Landschaft des Schwarzwaldes, wie wir sie kennen und lieben, und das Schicksal der hiesigen Bäuerinnen und Bauern eng mit der Viehhaltung verbunden. Ohne sie würde sich das Landschaftsbild radikal verändern und das Aus für die meisten Landwirte bedeuten, denn aus landwirtschaftlicher Sicht gibt es außer der Grünlandbewirtschaftung im Schwarzwald weitgehend keine Alternativen.
Ackerbau ist aufgrund der Topografie mit seinen steilen Hanglagen keine Option. Die Steillagenwiesen können nicht mit den sonst üblichen Traktoren und Maschinen zu Ackerflächen umgewandelt werden. Zudem besteht die Gefahr der Bodenerosion, dass bei Starkregen der Ackerboden in die Tallagen weggeschwemmt wird. Ebenso wäre Ackerbau im Schwarzwald niemals wettbewerbsfähig gegenüber den tischebenen Gunststandorten in der Rheinebene oder anderswo in Deutschland oder Europa. Trotzdem wurde auch im Schwarzwald noch lange Zeit Ackerbau betrieben, wo die Flächen nicht so steil waren. Doch spätestens der frühe Wintereinbruch im September 1974 mit der anschließend geschlossenen Schneedecke bis in den Frühling 1975 hinein, ließen die meisten Schwarzwaldbauern die Sinnhaftigkeit des Ackerbaus überdenken. Erntereife Kartoffeln konnten nicht mehr rechtzeitig geerntet werden und mussten bis in das Frühjahr hinein im Boden bleiben.
Fällt die Viehhaltung weg, wäre die Aufforstung der Steillagen die einzige Alternative. Die Wälder würden bis an die Straßen und Dörfer heranrücken. Die Menschen würden die Verschattung durch die hochwachsenden Wälder als Einschränkung ihrer Lebensqualität empfinden. Auch die Touristen würden sich wohl lieber anderen Urlaubsdestinationen zuwenden und den Schwarzwald meiden. Wer möchte schon stundenlang im Wald wandern, ohne die zu erwartende schöne Aussicht? Die Folge wäre ein Rückgang der regionalen Tourismusbranche und Gastrogewerbe. Ein Abbau von Arbeitsplätzen vor Ort würde auch die Immobilienpreise unter Druck setzen. Dies ist kein ungemütliches Science-Fiction-Szenario – in weiten Teilen des nördlichen und mittleren Schwarzwaldes beträgt der Waldanteil in den Gemeinden bereits über 90 % der Gemeindefläche. In manchem einstmals renommiertem Kurort des mittleren Schwarzwaldes herrscht heute „tote Hose“.
Die Bedeutung von artgerechter Viehhaltung weltweit
Und es macht auch einen Unterschied, ob das heimische Grünland beweidet, gemäht oder nur noch maximal zweimal im Jahr mit dem Mulcher gemulcht wird und der Aufwuchs auf der Fläche verbleibt. Ein Höchstmaß an Biodiversität hat Grünland, welches von Kühen und Jungrindern, Schafen und Ziegen beweidet wird. Ein Kuhfladen ist das reinste Insektenhotel.
Auch auf das Weltklima hat die Viehhaltung gegenüber anders lautenden Meldungen eine positive Auswirkung. Die Grünlandflächen Mitteleuropas sind der tropische Regenwald Europas, sie sind ebenso ein CO²-Speicher. Durch das Umpflügen zu Ackerland, wie dies an günstigeren Standorten nach Aufgabe der Viehhaltung praktiziert wird, setzt sich zuvor gebundenes CO² frei.
In ihrer Eigenschaft als Wiederkäuer sind Rinder, Schafe und Ziegen jene Tiere, die Grünland am effektivsten verwerten können – eine Futtergrundlage, mit der andere Tiere wie Schweine oder auch der Mensch nichts anfangen können. Von Natur aus sind das Tiere, die Gras, Heu oder Grassilage gegenüber anderen Futtermitteln den Vorzug geben. Eine ausgebüxte Kuhherde trampelt zwar ein erntereifes Weizenfeld nieder, aber käme niemals auf die Idee die Weizenkörner zu fressen. Erst durch die Intensivierung der Viehhaltung gelangten im Laufe der Zeit zunehmend artfremde Futtermittel, wie Getreide und Soja, auf den Speiseplan der Kühe. Mit dem Ziel der Milchleistungssteigerung wurde die Kuh im wahrsten Sinne des Wortes zur Sau gemacht, weil sich diese höheren Milchleistungen nur mit konzentrierteren Futtermitteln wie Getreide realisieren ließen.
Eine artgerecht ernährte Milchkuh ist aufgrund der in diesem Beitrag aufgezählten Argumente niemals ein Klimakiller.
Positive Beispiele zur Gründlandnutzung
Doch es gibt auch positive Beispiele. Im Schwarzwald wurde in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten ein Grünlandnutzungssystem populär, wie es in Neuseeland traditionell praktiziert wird. Die Milchkühe kalben zu Ende des Winters en bloc ab, um in der Phase der höchsten Milchleistung nach der Geburt des Kalbes das qualitativ und quantitativ beste Angebot des ersten Grasaufwuchses bestmöglich ausnutzen zu können. Die Tiere kommen so früh wie möglich auf die Weide und beweiden die Flächen bis zum ersten Schneefall. Über die Sommermonate kommen die Kühe nur zum Melken in den Stall und anschließend wieder in die Natur. Kraftfutter wie Getreide oder Soja werden nicht zugefüttert und trotzdem sind respektable – wenngleich keine künstlich erzeugten Höchstleistungen – und wirtschaftliche Leistungen in Milch möglich. Und ganz nebenbei bleibt so die Landschaft offen und attraktiv für alle Besucherinnen und Besucher.