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Markus Binninger ist engagierter Landwirt im Nebenerwerb, hat die Ausbildung zum Biodiversitätspädagogen absolviert und wurde kürzlich mit dem ersten Platz der Wiesenmeisterschaft ausgezeichnet, die der Naturpark Südschwarzwald e. V. gemeinsam mit dem Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband (BLHV) vergibt. Sein Hof ist nicht nur Arbeitsplatz, sondern eben auch Lernort Bauernhof.
Doch zwischen Blühwiesen und Bienen summen auch Herausforderungen: Gesetzliche Vorgaben, gesellschaftliche Erwartungen und die Frage nach Wirtschaftlichkeit begleiten den bäuerlichen Alltag. Förderprogramme unterstützen den Erhalt der Biodiversität, bringen aber oft auch bürokratische Hürden mit sich. Im Interview spricht Markus Binninger darüber, warum ihm Artenvielfalt am Herzen liegt, wie er Landwirtschaft und Umweltbildung verbindet – und wie man Wege finden kann, Naturschutz und Landwirtschaft nicht als Gegensätze, sondern als Partner zu verstehen.
Markus, warum hast du dich für die Ausbildung zum Biodiversitätspädagogen entschieden?
Durch unsere Übernachtungsangebote und den Lernort Bauernhof haben wir immer viele Gäste, mit vielen Fragen zu unserer Bewirtschaftung. Da kann ich natürlich viel erzählen. Aber sobald es ins Detail ging, vor allem um die Artenvielfalt drumherum und wie die verschiedenen Lebensräume miteinander zusammenhängen, musste ich passen. Da hat mir die Ausbildung sehr geholfen. Und durch den Aspekt der Pädagogik habe ich gelernt, wie ich das Ganze für andere erlebbar machen kann. In meiner Abschlussarbeit habe ich das Modul „Expedition Bruderhof“ entwickelt, mit dem man hier die Lebensräume entwickeln kann.
Wie hängen für dich Landwirtschaft und Biodiversität zusammen?
Durch die Symbiose zwischen Tieren und Pflanzen. Nehmen wir meine Kühe, die von den kräuterreichen Wiesen essen, die deswegen keine oder viel weniger Parasitenbehandlung brauchen – weil ihre Apotheke im Gras auf der Weide wächst. Die Weide ist aber nur so vielfältig und kräuterreich durch die Bestäubung vieler verschiedener Insekten. Meine Rinder halten auf der anderen Seite die Flächen offen, düngen durch ihren Kot den Boden und sorgen so wieder für Artenreichtum. Das ist nur ein Beispiel. Biodiversität und Landwirtschaft können sich gegenseitig unglaublich unterstützen.
Stichwort Lernort Bauernhof – wer kommt zu dir auf den Bauernhof?
Zu mir kommen verschiedenste Gruppen von Schülern und Auszubildenden – aber auch eine Seniorengruppe war schon bei mir. Ich zeige ihnen, wo ein Teil ihrer Nahrungsmittel herkommt und wie sie hergestellt werden. Ich habe aber auch Klassen, die in Biologie gerade Artenvielfalt oder Feuchtbiotope durchnehmen und deswegen zu mir kommen. Im Endeffekt geht es darum, die Theorie aus dem Lehrplan mit der Praxis zu verbinden. Dabei ist es erschreckend zu erleben, wie zunehmend entfremdet viele Kinder und Jugendliche mittlerweile von Natur und Landwirtschaft sind. Auch die, die auf dem Dorf wohnen.
Du hast den ersten Platz der Wiesenmeisterschaft gewonnen – was ist das Besondere an deinen Wiesen?
Das besondere an der Wiese ist, dass sie so ein breites Spektrum an Pflanzen hat. Das heißt, sie hat nicht nur eine landwirtschaftliche Vielfalt und wir können das Gras wunderbar den Tieren zur Verwertung geben, sondern die Biodiversität insgesamt ist sehr hoch. Mit viel Futterpflanzen für Schmetterlinge, Wildbienen und verschiedenen Lebensräumen inklusive Feuchtbiotop. Entscheidend war auch, dass wir die Wiese nicht nur mähen und das Schnittgut liegen lassen, sondern eben auch wieder in den wirtschaftlichen Kreislauf zurückbringen. Also schützen durch nutzen.

Biodiversität bewahren, Natur schützen, das klingt auf den ersten Blick erstmal unglaublich schön, man hört die Blümchen und Bienchen geradezu wachsen, summen und brummen. Im täglichen Alltag eines Landwirts steckt aber sicher auch eine Menge Arbeit darin, oder?
Man darf einfach nie vergessen, dass ein Bauernhof ein landwirtschaftlicher Betrieb ist. Auch wenn ich sehr viel Leidenschaft in Natur- und Artenschutz stecke – am Ende des Tages müssen ich und meine Familie davon leben können. Es ist einfach, in der Theorie Pläne zu erarbeiten. Man kann aber nicht einfach ankommen und sagen, so setz mal um. Jeder Standort ist verschieden. Und der Mehraufwand muss sich rechnen. Nehmen wir das Wolfsprojekt, in dem ich sehr aktiv bin. Die Materialkosten für Zäune u. ä. bekommen wir zwar erstattet, aber die Arbeitszeit können wir kaum geltend machen, da erhalten wir nur eine minimale Aufwandsentschädigung, die längst nicht alles abdeckt. Nur mit Idealismus bekomme ich das nicht hin. Ich habe das große Glück, meine Übernachtungsgäste zu haben. Außerdem verkaufe ich meine Schafwollpellets und Felle. Durch die Verknüpfung von Tourismus, Landwirtschaft oder auch Förderungen wie dem Landschaftspflegeprogramm hole ich dann trotz niedrigerer Nutzungsintensität der Fläche eine ausreichende Wertschöpfung heraus. Aber man darf den Aufwand, der dahintersteckt, nicht unterschätzen. Das bedeutet immer auch viel Bürokratie, Zeit und Nerven im Büro.
Artenvielfalt, Naturschutz, Landwirtschaft – da treffen oftmals Welten aufeinander und verschiedenste Interessengruppen, von Landwirten und Landwirtinnen, über Naturschutz- und Umweltverbände, Verbraucherinnen und Verbraucher bis hin zum Tourismus – was möchtest du ihnen mit auf den Weg geben? Wie bekommen wir alle an einen Tisch?
Hier könnte ich jetzt unglaublich viel sagen – oder mich kurz fassen: Wir sollten nicht übereinander reden, sondern müssen uns austauschen und miteinander reden.